Donnerstag, 24. März 2011

St. Louis oder: Das Chemnitz des Mittleren Westens

Gestern hieß es früh raus aus den Federn, denn ich hatte ja einen Trip geplant. Also ging es halb 6 los, ab auf die Interstate. Erste Priorität war es erstmal raus aus Chicago zu kommen bevor die Rush Hour los geht. Deswegen musste ich auch so früh los, denn das ganze zieht sich doch ein wenig, aber ganz vermeiden konnte ich die Staus doch nicht. Irgendwann war ich dann endlich draußen und in irgendeinem Vorort gelandet und bevor ich ins totale Nirgendwo kam suchte ich mir lieber erstmal ein Starbucks, Frühstücken muss sein :-) Ihr glaubt nicht wie langweilig die Vororte hier sind, dagegen sind deutsche Reihenhaussiedlungen anarchistische Horte kreativer Individualität. Kein Wunder, dass die Leute alle einen weg haben.
Frisch gestärkt gings dann weiter Richtung Süden. Das Navi wollte mich weiter die Interstate lang schicken, aber ich wollte lieber die historische Route 66 fahren. Die laufen größtenteils parallel zueinander, aber auf der Route 66 kann man eben auch überall anhalten wo man will und es ist auch definitiv cooler. Einziger Nachteil ist, dass meine Fahrzeit dadurch von geplanten 5,5h auf 9h angewachsen ist, aber der Weg war ja das Ziel (5$ fürs Phrasenschwein :-D) und ich hatte Zeit, also alles kein Problem.
Außerhalb Chicagos veränderten sich Land und Leute dann auch ziemlich schnell. Die Männer trugen alle Flanellhemden, die Pickups hatten plötzlich alle "Support Our Troops" Aufkleber und manche Leute winkten einem auf der Straße beim vorbeifahren einfach zu. Okay, andere schimpften und fluchten auch, aber das waren abgewrackte White Trash Gestalten. Die Straßen wurden noch gerader und noch schlechter. Die Route 66 war stellenweise mit der Straße zwischen Kauschwitz und Syrau vergleichbar. Für alle nichtortsansässigen: ziemlich eng und mit mehr Schlaglöchern als Asphalt. Und dabei war es noch eine der besseren Straßen dort. Aber wie heißt es so schön: entweder mit 30 durch oder mit 100 drüber. Ihr könnt euch denken was ich gewählt habe :-D Inzwischen war dann auch die Sonne aufgegangen, es gab strahlenden blauen Himmel und ein wunderschöner Tag kündigte sich an. Eine halbe Stunde später verabschiedete sich auch noch der letzte chicagoer Radiosender und ab da an gab es auch nur noch 2 Musikrichtungen zur Auswahl, Country oder Rock. Ich hab natürlich Country eingestellt um das Erlebnis abzurunden. Die Gegend durch die man dann fährt ist echt ein bisschen klischeehaft. Rechts und links der Straße Felder soweit das Auge reicht und alle paar Meilen mal ein Haus, wie im Film quasi. Um zu verhindern dass die Fahrer zu schnell einschlafen haben sie vor Kreuzungen usw Rillen in die Straßen gefräst, so dass man vor Stoppschildern wieder aufwacht...sehr praktisch :-D Dafür haben sie an Fahrbahnmarkierungen und Leitpfosten gespart. Gerade die gab es eigentlich gar nicht, höchsten in Kurven mal ein paar Stöcke an die solche Katzenaugen-Fahrradreflektoren dran genagelt wurden.
So hieß es also schön gemütlich cruisen, alle par Meilen wenn es was interessantes gab mal anhalten und ein paar Fotos machen, dann weiter, immer Richtung Süden. Bei einem dieser Stopps, ich hatte den Schlüssel im Zündschloss stecken gelassen, fiel dann plötzlich die Autotür zu. Gut, mache ich sie halt wieder auf, die wird sich ja nicht von alleine zuschließen...oder eben doch. So stand ich also da, mitten im Nirgendwo, Handy war auch im Auto...logisch. Zum Glück kam gleich ein Pickup angefahren und der Fahrer fragte, ob was passiert ist. Davor und danach kamen mindestens 10min niemand vorbei. Ich hab ihm also kurz erzählt, dass ich mich ausgeschlossen habe, woraufhin er zum Sheriff gefahren ist und dem bescheid gegeben hat. Die Polizeiwache war anscheinend nicht weit weg. Ich hab in der Zwischenzeit etwas die Sonne genossen, denn es waren jetzt angenehme 20° und eine leichte Brise wehte auch, herrlich. 10 min später kam dann also besagter Sheriff und hat mir auch das Auto wieder ganz offiziell mit so einer Art Luftkissen und langem Metallbügel aufgebrochen. Gab nicht mal irgendwelche Spuren die ich bei der Autovermietung rechtfertigen müsste :-) Ich hab das ganze später übrigens nochmal nachgestellt und da hat sich die Tür nicht von selbst verriegelt...mysteriös.
Irgendwann bin ich dann auch mal in St. Louis angekommen. Und was soll ich sagen, es ist vor allem erstmal eins: unglaublich hässlich. Halbzerfallene Häuser und Industrieanlagen so weit das Auge reicht sind das erste was man sieht, wenn man durch die Außenbezirke fährt. Damit hätten wir Gemeinsamkeit Nummer 1 mit Chemnitz, und es sollten noch ein paar mehr werden :-D Die zwei haben ähnlich viele Einwohner, liegen an einem Fluss mit M (Mississippi und Mulde) und haben beide ein Wahrzeichen, dass den Siegeszug des jeweiligen Gesellschaftssystems verkörpern soll. Gut, Chemnitz Innenstadt zieht dann doch eindeutig den Kürzeren, denn da ist St. Louis schon ganz hübsch. Ein paar Hochhäuser, die FED hat einen Prachtbau, ein Rathaus das aussieht wie das Capitol in klein und eben den Gateway Arch, da kann Chemnitz nicht mehr mithalten. St. Louis war übrigens der letzte Außenposten der Zivilisation in dem sich die Treks in den Westen früher nochmal mit allem Notwendigen eindecken konnten bevor sie loszogen um ein paar Indianer von ihrem Land zu verscheuchen. Um eben diesen Siegeszug zu feiern wurde der Arch gebaut. Ein ca 200m hoher, freistehender Bogen. Ziemlich imposant. Ganz oben ist auch eine Aussichtsplattform, da musste ich natürlich hoch. Der Fahrstuhl nach oben ist eine kleine eiförmige Kapsel mit 5 Sitzplätzen. Und ich meine wirklich klein. Ich bezweifle, dass da 5 typische Amerikaner reinpassen, denn wir hatten schon Probleme mit 2 Erwachsenen und 3 kleinen Kindern. Oben angekommen hatte man dann eine schöne Aussicht über die Stadt und Umgebung (noch ein Punkt, an dem Chemnitz zurückstecken muss, ich glaube wenn man auf den Nischel klettert kann man immer noch nicht sehr viel weiter sehen :-D). Das ganze Schwankte auch ziemlich stark, so dass Jung und Alt zuhauf gespielt übertriebene Nervenzusammenbrüche bekam. Typisch US of A eben...
Zurück nach Chicago hab ich dann doch lieber die Interstate genommen, das ging erheblich schneller. Als es dann pünktlich mit dem Überschreiten der Stadtgrenze anfing zu Schneien wusste ich, dass ich an dem Tag alles richtig gemacht hatte :-)

3 Kommentare:

  1. Sinnfreier Vergleich; Es gibt genug hässliche Städte in der Welt.

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  2. Nicht halb so sinnfrei wie der Kommentar. Und ansonsten nehm ich mir einfach mal das Recht heraus, in meinem Blog Vergleiche jeglicher Coleur zu ziehen, unabhängig ob es sich um Äpfel und Birnen oder St. Louis und Chemnitz handelt. Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich, außer ich sag es so, und wem das nicht gefällt, der muss ja nicht mitlesen ;-)

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  3. Welcher kleine Troll stänkert denn hier? Wenn man schon Kritik an einem persönlichen Blog übt, sollte man wenigstens so mutig sein und seinen Namen preisgeben.
    Mart mein Bauch tut vom Lachen noch weh. Super Vergleich.

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